FAQ

Bei diesem neuen Produkt ergeben sich sicherlich Fragen, mit denen wir Sie nicht allein lassen wollen. Aus diesem Grund haben wir die häufigsten schon mal gesammelt und beantwortet.

Wie funktioniert der Schadstoff-Aufnahmeprozess der fermacell greenline Gipsfaser-Platte?

Im ersten Schritt lagern sich die Schadstoffmoleküle an der Oberfläche lose an (Physisorption, reversibel), um dann in tiefere Schichten, z.B. durch einen Farbauftrag hindurch, einzudringen (Diffusion). Durch den Wirkstoff werden die Aldehyde zunächst in einer umkehrbaren Reaktion angelagert, um dann endgültig chemisch irreversibel gebunden zu werden (Chemisorption).

Bleibt die Wirkung z.B nach einem Tapetenwechsel erhalten?

Der Wirkstoff befindet sich in der Grundierung. Sofern die Grundierung beim Entfernen der alten Tapete nicht mit „abgerissen“ wird, ist die Wirkung weiterhin vorhanden. Wird die alte Tapete mit der neuen nur überklebt, wird dadurch die „Zugänglichkeit“ zum Wirkstoff verzögert.

Macht sich die Wirkung beim Nutzer bemerkbar, oder ist dieser Effekt "lediglich" messbar?

Es ist davon auszugehen, dass eine in der Prüfkammer messbare Schadstoffreduktion auch zu spürbaren Effekten beim Nutzer führt.

Mit wieviel m² Oberfläche sollte ein 20 m² (50 m³) grosser Raum ausgestattet werden, um eine messbare Wirkung zu erreichen?

Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann so nicht eindeutig beantwortet werden. Es sollten aber schon einige m² sein, am besten die ganze Decke oder eine ganze Wand. Faustregel: Mehr wirkt mehr

Kann der Wirkstoff evtl. den Nutzer gesundheitlich sensibilisieren?

Definitiv: nein!

Hängt die Wirksamkeit von der Menge der anfallenden Schadstoffe ab? In Umgebungen mit hoher Schadstoffkonzentration wird die Platte vielleicht eher "gesättigt" sein? Kann die Beschichtung der Platte "verstopfen"?

Die Aufnahme und Bindung von Schadstoffen erfolgt zunächst über eine Anlagerung (Physisorption) und dann einer Abreaktion über chemische Reaktion (Chemisorption). Durch zu hohe Schadstoffkonzentrationen wird dieser Übergang zeitlich verzögert. "Verstopfen" kann die Beschichtung jedenfalls nicht! Eine "Sättigung" tritt bei hohen Konzentrationen eher auf als bei geringen Konzentrationen.

Was ist eine normale "in der Praxis" zu erwartende Schadstoffkonzentration im Vergleich zu den hohen Konzentrationen in den Laborversuchen zu bewerten?

Grundsätzlich reagiert jedes Aldehyd- oder Ketonmolekül mit dem Wirkstoff, unabhängig von der vorgelegten Konzentration. Im Laborversuch sind hohe Schadstoffkonzentrationen sinnvoller, da im Prüfkammerexperiment die Änderungen durchschnittlicher in der Praxis auftretender Konzentrationen in der Grössenordnung der Messungenauigkeiten liegen. Mit den hohen Konzentrationen im Laborversuch lassen sich zusätzlich Aussagen zur Aufnahmekapazität treffen. Allerdings ist auch festzustellen, dass die zur Prüfung eingesetzten Konzentrationen einzelner Substanzen durchaus in Innenräumen auftreten können, z.B. nach Renovierungen, Einbringen neuer Möbel etc.

Wie ist unsere konventionelle Gipsfaser-Paltte im Thema Schadstoffbindung argumentativ zu bewerten, die ja nachweislich auch ein gutes Sorptions- und Reemisionsverhalten zeigt?

Auch die konventionelle Gipsfaser-Platte nimmt die Aldehyde gut auf. Im Gegensatz zu einer mit greenline-Beschichtung ausgerüsteten Platte werden diese Schadstoffe aber nicht chemisch gebunden, so dass diese wieder in die Innenraumluft abgegeben werden können.

Im Vergleich ist die Aufnahme nicht so gut wie bei greenline und die Reemission höher.

Sind schon Untersuchungen mit anderen Beschichtungsmitteln durchgeführt worden, die ähnllich wirksam sind? Lässt sich ein Entwicklungsweg darstellen? ("Wie ist man historisch bzw. im Rahmen der Entwicklung auf den Wirkstoff gekommen?")

Der Wirkstoff wurde aufgrund der Erkenntnis entwickelt, dass Schafwolle bzw. die reaktiven Bestandteile der Schafwolle mit Formaldehyd reagiert. Hierüber liegen Untersuchungen und Veröffentlichungen sowie praktische Erfahrungen vor. fermacell greenline enthält diese reaktiven Bestandteile in modifizierter Form.
Historisch basiert die Entwicklung auf einem bekannten Wirkmechanismus, der seit längerer Zeit bei Keratinfasern belegt werden konnte. Hierzu wurde zwischenzeitlich ein Patent erteilt. Über ein hydrolytisches Verfahren wurde die Keratinfaser verflüssigt und über eine Sprühtrocknung zu Pulver verarbeitet. Dieser „Ur-Wirkstoff“ wurde zwischenzeitlich auf die funktionellen Gruppen, quasi bis auf Molekülebene, zerlegt und bei fermacell zu einem funktionellen Molekülgemisch „designt“, sprich: zu einem sog. Biopolymerkomplex zusammengebaut.

Es handelt sich bei dem Wirkstoff um einen auf molekularer Ebene „designten“ Amino-Biopolymerkomplex, eine spezifische Mischung, die in dieser Form nur in der Grundierung von fermacell greenline Anwendung findet.

Es sollen durch die Beschichtung gängige Innenraumschadstoffe wirkungsvoll und dauerhaft gebunden und abgebaut werden. Wie sehen diese typischen Schadstoffe aus? Simuliert der vom eco-Institut verwendete Schadstoffcocktail diese ausreichend?

Es handelt sich bei dem Schadstoffcocktail um Carbonylverbindungen, vor allem Aldehyde inklusive Formaldehyd. Aldehyde sind typische Vertreter innenraumrelevanter Luftschadstoffe. Aldehyde sind ubiquitär (überall vorkommend), reizend, sensibilisierend, allergieauslösend und Leitsubstanz für Gerüche. Typisch für das Auftreten von Aldehyden ist, dass sie über sehr lange Zeiträume aus verschiedenen Baumaterialien wie z.B. Klebern, Holzwerkstoffplatten, Lacken u.ä. ausgasen. Andere Schadstoffe wurden nicht untersucht. Aufgrund der Struktur des Wirkstoffs ist davon auszugehen, dass nicht alle Schadstoffe reagieren.

Gibt es allgemein (weltweit) anerkannte Kapazitäten und Verbände/Vorschriften/Empfehlungen auf dem Gebiet der Innenraumschadstoffbelastung? Was geben diese vor bzw. wie sehen diese aus?

Es existiert eine Vielzahl an Behörden, Verbänden und Gremien, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Zum Teil sind einzelne Substanzen mit Empfehlungen versehen, zum Teil Substanzgruppen. Selbst der Ansatz einer Übersicht sprengt hier den Rahmen. Die wichtigste nationale Regelung betrifft Formaldehyd, das mit einem Richtwert von 0,1 ppm (0,12 mg/m³) versehen ist.

Gibt es auch auf Gerüche eine "reinigende" Wirkung?

Ja, wenn das Geruchsmolekül eine geeignete funktionelle Gruppe besitzt, die mit fermacell greenline reagieren kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist Hexanal, das eine niedrige Geruchsschwelle besitzt, die in Innenräumen gelegentlich überschritten wird.

Wie lange ist der Reinigungseffekt nachweisbar?

Wie Simulationen zeigen, kann man von Jahren der Wirksamkeit ausgehen. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab:    

  • Konzentration der Schadstoffe
  • Beladungsdichte des Raums (Verhältnis von Raumgrösse zur Oberfläche der verbauten Platten)
  • Diffusionswiderstand (Erreichbarkeit der aktiven Schicht der Platten für die Raumluft, s.o.)

Aufgrund der Neuheit der fermacell greenline Platten liegen über die tatsächliche Dauer des Reinigungseffekts noch keine verbindlichen Daten aus der Praxis vor.

Was sind diffusionsoffene Oberbeläge?

Atmungsaktivität und Feuchtigkeitsaustausch mit der Luft sind die Eigenschaften diffusionsoffener Oberbeläge. Für optimale Ergebnisse empfehlen wir z.B. fermacell Rollputz oder fermacell Feinspachtel. Auch Dispersionsfarben, Papiertapeten usw. sind geeignet.

Wie wird die Wirkung durch Wand- und Bodenbeläge (Tapeten, Putze, Teppiche, Fliesen, Laminat) beeinflusst?

Erreicht die Raumluft die Oberfläche der Platte, können sich die Schadstoffmoleküle anlagern. Bei diffusionsoffenen Oberbelägen ist die Wirkung besonders stark.

Wie lässt sich das Wirkprinzip der fermacell greenline Gipsfaser-Platte anschaulich darstellen?

Eine Herde Kaninchen wird in ein Brombeergebüsch (Gipsfaser-Platte) mit umliegender Wiese (Raumluft) gejagt. Nach einiger Zeit hoppeln ebenso viele Kaninchen aus dem Gebüsch wieder heraus (dynamisches Gleichgewicht). Im Gebüsch bleiben sie zwar an den Dornen hängen, können sich aber wieder befreien (Physisorption, reversibel). Jetzt stellen wir im Brombeergebüsch Fallen auf (fermacell greenline). Dort werden die Kaninchen gefangen, so dass sie sich nicht mehr befreien können (Chemisoption, irreversibel). Dadurch können Sie nicht mehr heraushoppeln, während neue Kaninchen in das Gebüsch nachhoppeln. Es befinden sich dann also weniger Kaninchen auf der Wiese (Raumluft) als vorher (Absenkung des dynamischen Gleichgewichts).